Kraft des Wir

Rückblick Didacta

Nach unserer 5tägigen Performance auf der Kölner Bildungsmesse Didacta vom 10. bis zum 14. März 2026 scheint es so etwas wie ein Davor und ein Danach zu geben. Von einem magentafarbenen energiegeladenen Aufbruch zu neuer Bildung ist die Rede. Von einer Befreiung.

Dass die Bildungsmesse Didacta das Wort Bildungswirtschaft in der Unterzeile trägt ist symptomatisch. So kalt viele Stände – so wenig Beziehungs- und Begegnungsraum oder die Frage nach dem Kinde – dem Jugendlichen – selbst, dem Bildung eigentlich dienen sollte. Mit unserem warmen magentafarbenen Zirkuszelt und den für sich sprechenden Käfigen haben wir das starre Schulsystem in allen Facetten fühlbar in Frage gestellt.

Die Kraft des Wir, ein Verbund von Bildungsinnovator:innen hatte sich genau das mit Hilfe der transformativen Kraft der Kunst vorgenommen: Die Käfigsituation im Zentrum des Messestandes symbolisierte im ersten Teil den tiefen Schmerz im System. Wir sind Gefangene des Bildungssystems – so lautet ein Grundgefühl was Lehrer und Schüler im Alltag teilen. Wir sprechen es hier aus. An den Wänden stehen Fragen: Was hält dich gefangen? Was befreit dich? Tauschen wir uns hier ehrlich aus.

Die Performancekünstlerin und ehemalige Lehrerin Lara Jaecks brachte mit I AM GLAD I DID IT - I AM SICK OF NOT DOING IT das Drama, welches langsam, aber sicher ins Innere einer Lehrperson gleitet auf genau den Punkt, der so sehr schmerzt. Im Fokus der Körper, der den inneren Prozess nach außen trägt und unmittelbare Eindrücke von Druck, Widerstand und Veränderung vermittelt. Tränen fließen bei Zuschauenden. Herzen öffnen sich.

Schülerinnen für 2 Tage aus dem Schulsystem zu bekommen ist fast unmöglich. Eine halbjährige bürokratische Sisyphos-Aufgabe, die die Kunstlehrerin Danielle Schulte am Hülse aus Düsseldorf meisterte. Danke! Und die Jugendlichen ihrer Schule zeigten klare Haltung mit ihrer Performance ANOTHER BRICK IN THE WALL: Miteinander statt Gegeneinander! Ihre hohe Mauer aus Clausura-Trennpappen rissen sie ein, wie die Mauer die 1989 trennte. Der folgende magentafarbene generationsübergreifende Befreiungsmarsch durch die Messegänge mit dem Ruf „Die Kraft des Wir verbindet uns" wurde irgendwann von zwei Männern der Messe-Security unterbrochen. Doch auch diesen beiden war das Thema selbst nicht fremd. Milde.

Höhepunkt am Donnerstag 14:00 Uhr: Die Befreiungsperformance beginnt mit Saxophonklängen von Jonathan Amanga. Gespanntes Warten. Wann bewegen sie sich? 9 Menschen in 9 Rollen – scheinbar leblos. Schwarz gekleidet sitzt das Performanceteam im Käfig. Das Problemkind neben dem Morgen, die Ungewissheit, Lehrerin und Oma, Körper und Geist, die Bewertung, Kleinstkinder und der Planet. Das Saxophon begleitet ihren langsamen, zum Teil schmerzhaften Akt der Befreiung vom Schwarz zu purer Farbe. Von der Einstuhlung zu Begegnung und freiem Tanz. Dank an die Didacta, die das folgende weithin sicht- und hörbare Feuerwerk der Freude mit 200 Zuschauenden nicht stoppte.

Das rote Sofa, lilafarbene Hocker mit Wandeltexten, Teppich und Lampen des Leipziger RealLabors bilden statt der Käfige nach der Befreiung das Zentrum des Messestands. Die befreite Bildung kennt HERZFELD. Der nötige Haltungswandel wird gern geübt. Seminare für das Neue Lernen und Lehren und der Potentialblick auf Kinder, Jugendliche und sich selbst befreit von alten Mustern und Lasten. Geschult wird in Achtsamkeit und neuen Bildungstechniken. Viele Gäste aus Wissenschaft und Praxis untermauerten in den folgenden Tagen in Interviews auf dem roten Sofa, was die Kunst uns fühlen ließ. Morgens und abends – die gemeinsame Zeit der Stille und Achtsamkeit im Zelt. Was das allein mit Schülern und Lehrerinnen machen kann – dieses Anhalten – vor und nach dem Rausch des Tages, Wege zu Stille und Konzentration finden zu können.

Die vielen persönlichen Gespräche, das liebevolle Miteinander aller Beteiligten, extra Angereisten, weiteren RealLabor-Gründerinnen – zeigt uns, dass wir auf dem Hoffnungsweg sind, den wir alle gemeinsam gehen werden.